Wohnen ist das zentrale Thema

Alle Parteien in Ratingen haben das Thema „Wohnen“ für sich im Kommunalwahlkampf entdeckt. Wer sich mit dem Thema auch die letzten fünf Jahre wirklich beschäftigt und Impulse gesetzt hat, sei mal dahingestellt. Alle wollen mehr für das „Wohnen“ tun, mehr Flächen für den Wohnungsbau ausweisen, doch lösen wir so das Grundproblem und wollen alle das gleiche?

Nein! In Ratingen fehlt seit Jahren ein politischer Grundkonsens, dass wir etwas machen müssen. Die einen verlassen sich auf den Markt, die anderen wollen genau diese, aus unserer Sicht falsche, Entwicklung. Wenn die CDU von Wohnungsbau im Kontext mit der Westbahn spricht, meint sie Reihenhäuser. Wenn sich die Ratinger Wohnungsgenossenschaft mit einem Projekt engagieren will, muss sie gegen politisches Störfeuer arbeiten und ihre auf Kante genähten Planungen gegen Verkleinerungsversuche verteidigen (die das Projekt nicht mehr finanzierbar machten). Sollen Lücken außerhalb der historischen Innenstadt bebaut werden, ist es der Bürger Union stets nicht schön genug und auf alle Fälle zu hoch. Und ringt sich die Stadt mal durch, einen ungenutzten Sportplatz mit bezahlbaren Wohnungen zu bebauen, findet die FDP bestimmt Anwohner, die lautstark dagegen sind (wie an der Lilie) …

Wohnen ist ein Grundrecht und keine Ware!

Mit dieser Grundposition unterscheiden wir als SPD uns erheblich von den Mitbewerbern. Der Markt hat es beim Wohnen nicht gerichtet und Marktkräfte werden es auch nicht richten. Wer hier nur auf den Markt setzt, schafft nichts weiter als hochpreisige Immobilien für gut und besser Verdienende aus dem Umland und löst keine Probleme vor Ort.

Wohnhäuser - Ansicht

Die Situation auf dem Wohnungsmarkt in Ratingen ist nach wie vor besorgniserregend und spitzt sich immer weiter zu. Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise tun ihr übriges.

Die Zahl der Sozialwohnungen geht immer weiter zurück. Waren es am 31.12.2018 noch 2.371 Sozialwohnungen so werden es zum 31.12.2030 nur noch 1.520 sein, ein Rückgang um 35,9%, wie es der zuständige Kreis Mettmann in seinem jüngsten Bericht zum Sozialen Wohnraumförderung geschrieben hat (Vorlage 20/036/2019). Angesichts nicht vorhandener Neubautätigkeit in Ratingen eine sehr beunruhigende Tatsache. Im Jahr 2018 wurde im Kreis Mettmann der Neubau von 53 Mietwohnungen mit Darlehen in Höhe von 6,8 Mio. EUR gefördert. In Ratingen nichts, wie aus der o.g. Vorlage des Kreistages zur Wohnraumförderung hervorgeht. Aus Sicht der SPD ein unhaltbarer Zustand!

Ratingen braucht viel mehr bezahlbaren Wohnraum für breite Bevölkerungsschichten, weit in die sogenannte Mitte der Gesellschaft hinein.

Bezahlbarer Wohnraum ist längst kein Nischenthema mehr für benachteiligte Zielgruppen: Fachkräftehaushalte mit Kindern gehören zu den Zielgruppen des Wohnberechtigungsscheines ebenso wie Pflegepersonal, Polizisten/innen, Feuerwehrleute, sofern sie Familie haben. Die während der Corona-Krise so viel gelobten (und dennoch weiter schlecht bezahlten) Berufe in Einzelhandel und Logistik sowieso.

Auch stehen Ratinger Unternehmen im Wettbewerb um junge Fachkräfte, die auch hier wohnen wollen und sollen. Bietet hier die Stadt zu wenig, gehen diese Menschen woanders hin. Das können wir doch weder wollen noch zulassen, meint die SPD. Gleiches gilt für junge Familien, die Ratingen braucht, will es auch künftig ein lebendiges Gemeinwesen bleiben. Auch das Ehrenamt braucht Menschen, die vor Ort leben können. Da denke man doch nur an die Freiwillige Feuerwehr.

Zudem stellt das künftige Rentenniveau weiteren sozialen Sprengstoff dar, wenn Menschen im Alter dort, wo sie immer gelebt haben, keine bezahlbare Wohnung mehr finden können.

Wir als SPD stehen dafür, dass Ratingen eine Stadt sein muss, in der alle Menschen eine bezahlbare Wohnung finden können. Dazu gehören in einer älter werdenden Stadt auch barrierefreie und bezahlbare Wohnungen, damit die Menschen in ihrem Umfeld bleiben können.

Was wir im Bereich Wohnen tun wollen, lesen sie im zweiten Teil unseres Artikels “Wohnen ist das zentrale Thema”