Mobilität für alle

Unter diesem prägnanten Motto fasst die SPD Ratingen ihre Positionen zum Zukunftsthema Mobilität zusammen. Mobilität ist nach unserer Ansicht ein Grundrecht und darf nicht vom Geldbeutel abhängen.

Tag für Tag sieht man in Ratingen, dass bald nichts mehr geht. Die Zunahme des Verkehrs führt zu einer steigenden Belastung an den Hauptverkehrsstraßen, aber nicht nur diesen. Verbessern können wir diese Situation aber nur noch durch Alternativen zum Auto, wie Nutzung des Öffentlichen Personennahverkehrs und des Fahrrads.

Wir wissen, dass zur Zeit der sog. „modal split“, d.h. die Verteilung des Verkehrs auf die einzelnen Verkehrsträger in Ratingen Luft nach oben hat. 56% der Verkehre werden mit dem PKW, zu rd. 27% immerhin zu Fuß, nur zu 9% mit dem Öffentlichen Nahverkehr und zu 8% mit dem Fahrrad abgewickelt.  In Münster nutzen z.B. 39% das Rad und nur noch 29% das KFZ.

Für eine Verbesserung des Öffentlichen Personennahverkehrs sind wir bereit, die notwendigen Mittel in die Hand zu nehmen.

Die autogerechte Stadt ist ein Modell von gestern, das wir überwinden wollen und überwinden müssen. Dabei werden wir leider noch lange an den Sünden der Vergangenheit zu arbeiten haben. Jahrelang war es Modell der Stadtplanung, die Lebensbereiche Wohnen – Arbeiten – Einkaufen – Freizeit möglichst weit voneinander zu trennen. Mit der Konsequenz, dass die Wege zwischen den Funktionen in der Regel mit dem Auto überwunden werden. Einkaufszentren auf der „grünen Wiese“ sind ein bleibendes Relikt dieser Zeit, mit den bekannten negativen Folgen für die Innenstädte.

Verkehrsprobleme machen nicht an der Stadtgrenze Halt

Wir brauchen eine interkommunale und überregionale Verkehrsplanung mit einem neuen und attraktiven Tarifsystem, dass sich an Pendlerströmen und Wirtschaftsbeziehungen orientiert und nicht an Postleitzahlen und Stadtgrenzen.

Dazu gehört für uns als erster Schritt die Schaffung eines attraktiven und preisgünstigen Tarifmodells im VRR für den Wirtschaftsraum Düsseldorf / Ratingen und Nutzung lokaler Spielräume für lokale Tarifmodelle, beispielsweise für Auszubildende.

Wir fordern den Vollausbau der Straßenbahnlinie U81 bzw. 701 nach Ratingen West ebenso wie die Realisierung der Westbahn. Dafür sind wir gerne bereit, die erforderlichen Kosten zu stemmen. Gerade die Westbahn wäre ein Meilenstein zur Verbesserung der Verkehrsanbindung unserer Stadt.

Die schon lange vorliegenden Pläne für den Haltepunkt Süd an der S-Bahnlinie sind wegen der Westbahn bisher immer zurückgestellt worden. Wir stehen nach wie vor zu diesen Plänen, denn sie würden die Nutzung der S-Bahn für weite Teile des von Ratingen West und des Ratinger Südens erheblich attraktiver machen. Schaut man sich die Dichte der Haltepunkte an der S 6 in Düsseldorf an, so spricht auch nichts gegen einen zweiten Bahnhof in Ratingen.

Auch sind die Busverbindungen zwischen den Ortsteilen von Ratingen zum Teil sehr lückenhaft und verbesserungsbedürftig. Was nützt ein besseres Tarifsystem, wenn keine oder kaum Busse fahren. Zu denken ist hier z.B. die Verbindungen von Ratingen über Eggerscheidt/Hösel (S-Bahn) nach Breitscheid und weiter nach Mülheim durch die Zusammenlegung von 751 und 773 zu verbessern und zu verdichten. Zu dieser neuen Nahverkehrsachse zwischen Mülheim und Ratingen hat die SPD bereits entsprechende Anträge im Rat gestellt.

Überregional sind auch nur die Radwegeverbindungen für Pendler*innen zu verbessern. Hier stehen wir zu dem Ziel von Radschnellwegen.   

Integrierte Stadtplanung – Nahverkehr immer mitdenken

Wir brauchen eine Umkehr in der Verkehrspolitik. Statt vom Auto her zu denken, müssen wir vom Fußgänger*in, Radfahrer*in und Nutzer*in des Öffentlichen Personennahverkehrs denken.

Noch mehr Tiefgaragen in der Innenstadt wollen wir nicht bauen und damit noch mehr Verkehr in die Innenstadt ziehen. Wir wollen eine bessere Anbindung der Stadtteile und der Innenstadt durch den Öffentlichen Personennahverkehr und die gezielte Attraktivierung des Radverkehrs gerade für kurze Strecken. Wir stellen uns die Schaffung einer Ringbuslinie um die Innenstadt (Hop on/ Hop off) als sinnvolle Maßnahme zur Minimierung des Verkehrs vor.

Zudem benötigen wir eine zeitgemäße Stellplatzsatzung, in der Stellplatznachweise auch durch zeitgemäße Mobilitätskonzepte ersetzt werden können. Den Auftrag dazu hat der Rat schon beschlossen.

Wenn wir jetzt im Zuge der Flächenzugewinne durch den Regionalplan in Breitscheid zum Beispiel ein neues Siedlungsgebiet entwickeln, brauchen wir eine integrierte Planung und eine leistungsfähige Erschließung durch den Öffentlichen Personennahverkehr mit funktionierender Versorgung im Nahbereich.

Die Akzeptanz von Großprojekten wie dem Schwarzbachquartier steht und fällt mit der verkehrlichen Erschließung. Auch dort muss die Erreichbarkeit mit allen Verkehrsmitteln im Vordergrund stehen, nicht nur die mit dem Auto. Wir werden auch mit allen denkbaren Investitionen in Straßenumbauten und –neubauten dort nie eine wirklich gute Verkehrssituation schaffen, wenn es nicht gelingt, die Nutzung von S-Bahn, Bussen oder Fahrrad massiv zu steigern.

Mit einer guten Erschließung steht und fällt die Attraktivität auch von Gewerbestandorten. Investitionen in den Öffentlichen Personennahverkehr, in Radwege sind also auch Wirtschaftsförderung und Standortpolitik.

Umsteigen fördern

Wir wollen die Alternativen zum Auto stärken, den Öffentlichen Personennahverkehr attraktiver und kostengünstiger machen.

Dass mehr Menschen das Rad oder den Öffentlichen Personennahverkehr nutzen, kann nur aber gelingen, wenn wirklich attraktive Alternativen geboten werden. Attraktivität muss hier auf verschiedenen Ebenen wirken:

  • Kostengünstige Alternative zum Auto schaffen durch zeitgemäße Tarifstruktur, Förderung von Jobtickets für Arbeitnehmer*innen
  • Schnelligkeit des Öffentlichen Personennahverkehrs durch Taktverdichtung Busse und S-Bahn
  • Verlässlichkeit des Öffentlichen Personennahverkehrs
  • Optimales Umfeld von Sauberkeit der Haltestellen bis hin zur Ausstattung der Bahnen/ Busse (WLan, Klimaanlage, Radmitnahme zum Beispiel)

Zudem müssen die Übergänge zwischen den Verkehrsmitteln besser werden, um das Umsteigen zu fördern.  Wir setzen auf den Ausbau von Park and Ride Plätzen an den S-Bahnhöfen, gerade in Ratingen Ost. Wer soll denn auf die S-Bahn umsteigen, wenn er/sie ab kurz nach 7.00 Uhr einen Park and Ride Platz erst suchen muss?

Eine wirklich fahrradfreundliche Stadt werden

Ratingen ist dank des Einsatzes der SPD, die entsprechende Anträge gestellt hat, wieder in die Arbeitsgemeinschaft fahrrad- und fußgängerfreundliche Städte aufgenommen worden. Diese Aufnahme ist für uns kein Schlusspunkt, sondern Ansporn, hier noch mehr zu tun. Und das ist auch bitter nötig. Auch bei der Förderung des Radverkehrs zeigen sich die Probleme der jahrzehntelangen Fixierung auf das Auto.

Wir wollen, dass der Masterplan Radverkehr endlich wirklich umgesetzt wird. Dieser wurde vom Rat beschlossen und enthält viele sinnvolle Forderungen, die auch die der SPD sind. Der Masterplan Radverkehr beinhaltet auf Basis von Bestandsanalysen über 600 konkrete Maßnahmen, die alle dazu dienen, den Radverkehr sicherer und komfortabler zu führen.

Auch bei diesem Thema haben wir in Ratingen kein Erkenntnisproblem, sondern wieder einmal ein Vollzugsproblem! Weil beim Radverkehr auch nicht die notwendige Priorität eingeräumt wurde.

Das Radwegenetz muss geschlossen werden und nicht nur rechtlichen Vorgaben, sondern auch den Bedürfnissen der Radfahrerinnen und Radfahren entsprechen. Dabei wollen wir die bestehende Radverkehrsinfrastruktur weiterentwickeln, um den Fahrkomfort und die Sicherheit beim Radfahren zu erhöhen.

Wir wollen die Einrichtung komfortabler und sicherer Radverkehrsführungen an Kreuzungen (z.B. separate Aufstellbereiche für Radfahrer oder vorgezogene Haltlinien für Radfahrer).

Die Radwege müssen besser gepflegt und bei Schnee auch geräumt werden. Hier streben wir eine bessere Zusammenarbeit der zuständigen Straßenbaulastträger an.

Wir brauchen gute und sichere Fahrradabstellanlagen an allen Verkehrsknotenpunkten des Öffentlichen Personennahverkehrs, an den Wohnorten und Zielen des Radverkehrs.

Wir setzten uns auch dafür ein, dass die Verwaltung gezielt Betriebe in unseren Gewerbegebieten anspricht und gemeinsam mit diesen Konzepte zur Förderung der Nutzung des Fahrrades auf dem Weg zur Arbeit entwickelt.

Straßenbau muss aber auch noch sein

Auch wenn der Fokus auf dem Öffentlichen Personennahverkehr und der Förderung des Radverkehrs liegt, kommen wir natürlich ohne Straßenverkehr nicht aus.

Daher fordern wir die schnelle Umsetzung des Verkehrskonzeptes für das Schwarzbachquartier, um die Erschließung sicherzustellen und die Anwohner zu entlasten. Hierzu gehört für uns auch der Durchbau der K 10n vom Voisweg bis zur Neanderstraße zur vollständigen Anbindung von Esprit und zur Entlastung der Industriestraße und angrenzenden Wohngebiete. Diese Maßnahme wurde viel zu lange verschoben.

Auch wollen wir ein zeitgemäßes Parkleitsystem für die Innenstadt, damit die ausreichend vorhandenen Parkhäuser optimal genutzt werden können.

Für den Ausbau der Tempo 30 Zonen in den Stadtteilen und die Intensivierung der Maßnahmen zur Schulwegsicherung setzen wir uns ein, gerade wegen der Problematik der „Elterntaxis“.

Wir wollen den Umbau der gefährlichen Kreuzungen Europaring/Düsseldorfer Straße und Düsseldorfer Straße/Sandstraße, die schon lange auf unsere Initiative hin beschlossen, aber immer noch nicht umgesetzt sind.

Der von uns beantragte Kreisverkehr beim Einkaufszentrum in Breitscheid muss endlich realisiert werden.

Wir setzen uns für die Schaffung eines Autobahnanschlusses an die A 524 zur besseren Anbindung der Lintorfer Gewerbegebiete ein. Ohne eine solche Maßnahme ist auch die Umsetzung der Planungen auf dem Gelände an der Rehhecke schwerlich denkbar.

Wir haben die Zerstörung des Schwarzbachtals durch den überdimensionierten Neubau der L 239n verhindert. Die Optimierung der bestehenden Trasse soll aber endlich starten. Dazu wollen wir auch einen Radweg, ggf. auch partiell abseits der Straßenführung unter Nutzung bestehender Wirtschaftswege.